Anglergedicht 1

Der eine stippt gern kleine Fische,
der andre jagt die großen nur.
Der eine liebt die Morgenfrische,
der andre pfeift auf die Natur.

Der eine angelt für die Pfanne,
der andre will den Weltrekord.
Den einen treibt das Kind im Manne,
der andere treibt Angelsport.

Der eine ist ein echter Lenker,
den andren lenkt die Phantasie.
Der eine ist bekannt als Stänker,
der andre plagt sich, doch fängt nie.

Der eine will es wirklich wissen,
dem andren fehlt nur die Geduld.
Der eine angelt stur verbissen,
am Misserfolg sind andre schuld.

Der eine will das Glück erzwingen,
dem andren fällt es in den Schoß,
dem einen wird es nie gelingen,
der andre schafft es mühelos.

Wir Angler sind ein bunter Haufen
und unsre Welt ist sehr gemischt.
Der eine geht die Fische kaufen,
der andere sie selber fischt.

Der macht es falsch und jener richtig,
der kann es, jener lernt es nie,
im Grunde ist das nicht so wichtig,
Gemeinsames verbindet sie.

Wie man's auch dreht und wie man's wendet,
nicht was man aus dem Wasser hebt,
und wie der Angeltag auch endet,
entscheidend ist, was man erlebt!


Anglergedicht 2

Wer Fische fängt mit Leidenschaft,
Mit Meisterschaft und Wissenschaft,
Und hält dabei sich tugendhaft,
Gewissenhaft und ehrenhaft-
Den reichen Fang mit Maß betreibt,
Sorgt, dass im Wasser auch was bleibt,
Und angelt nicht um Geld und Gunst,
Nein, nur aus Freude an der Kunst,
Der ist, wär’s der geringste Knecht,
Sportangler doch und fischgerecht!

Claude du Bois-Reymond